Wenn mich jemand fragt, was ich baue, lautet die kurze Antwort: eine lebendige Welt. Menschen in echten Städten, die ein Leben führen, das sie sich selbst ausgesucht haben. Im Mittelpunkt stehen eine Stadt und eine Karriere, ein Feed oder eine Followerzahl spielen dort keine Rolle. Seit ungefähr einem Jahr erkläre ich das Leuten persönlich, und die Fragen kommen immer an denselben Stellen. Deshalb wollte ich die lange Antwort einmal aufschreiben.
Die Antwort in einem Satz
Ich wurde so oft gebeten, BeMatrx in einem Satz zu beschreiben, dass sich die Antwort irgendwann so eingependelt hat:
Eine lebendige Welt, das sind Menschen in echten Städten, die ein Leben führen, das sie selbst gewählt haben.
Ich halte den Satz kurz, weil eine Definition nur hängen bleibt, wenn man sie sich merken und weitererzählen kann. Fast alle, die ihn hören, wollen danach noch zwei Dinge wissen: was passiert, wenn man die App verlässt, und worauf man eigentlich hinarbeitet. Darauf antworte ich so:
Die Welt bleibt nicht stehen, wenn du die App schließt. Deine Stadt ist weiter da, und das Leben darin geht weiter. Wenn du zurückkommst, hat sich in der Zwischenzeit das eine oder andere verändert.
Was hier zählt, ist das Leben, das du dir aufbaust: dein Job, dein Zuhause, die Menschen, die du kennst.
Was sie von Social Media unterscheidet
Eine lebendige Welt ist kein Social Media, und sie will auch keine bessere Version davon sein. Ein Feed ist ein Werkzeug für eine andere Aufgabe, und viele Apps erfüllen diese Aufgabe gut. Was wir machen, ist etwas anderes, deshalb brauchte es einen eigenen Namen.
Die Grundeinheit ist hier ein Leben. Wichtig ist, was du dir seit deiner Ankunft aufgebaut hast: deine Karriere, eine Stadt, die dich kennt, Menschen, denen es auffallen würde, wenn du eine Weile nicht auftauchst. Ob der Ort funktioniert, beurteile ich mit den Fragen, die man auch über eine echte Stadt stellen würde. Baut hier jemand etwas auf? Laufen sich die Leute über den Weg? Würde ihn jemand vermissen, wenn er morgen dichtmacht? Der Rest des Produkts ist aus diesen Fragen entstanden.
Die vier Dinge, nach denen die Leute immer wieder gefragt haben
Diese Kategorie habe ich mir nicht am Schreibtisch ausgedacht. Wenn ich die Idee beim Abendessen oder in kurzen Gesprächen zwischendurch beschrieben habe, kamen Leute jeden Alters immer wieder mit denselben vier Wünschen. Mit der Zeit hat sich das Produkt um sie herum geformt.
Der erste ist Zeit, die etwas hinterlässt. Die Leute wollen zwanzig Minuten, die etwas voranbringen: eine Schicht bei der Arbeit, eine Freundschaft, eine Stadt, die sie nach und nach kennenlernen. Das ist die Kernmechanik einer lebendigen Welt. Alles, worin du Zeit steckst, ist am nächsten Tag noch da, einen Schritt weiter.
Der zweite: zu wissen, warum man etwas sieht. Die Leute entspannen sich, wenn die Antwort darauf in einen Satz passt. Unsere tut das: Was vor dir liegt, bestimmen du und die Menschen, denen du folgst, das Neueste zuerst. Dazwischen sitzt kein Ranking-Algorithmus. Das war eine bewusste Entscheidung, deshalb habe ich darüber einen eigenen Text geschrieben.
Der dritte ist ein dritter Ort. Soziologen nennen so Orte, die weder Zuhause noch Arbeit sind, an denen man Leute trifft und aus denen etwas entstehen kann. Viele haben mir erzählt, dass ihnen so ein Ort fehlt. In einer lebendigen Welt sind das Cafés, Clubs und Plätze in der Stadt. Wenn du reinkommst, triffst du die Leute, die gerade zufällig da sind.
Der vierte ist der jüngste: ein Ort, an dem keine Maschine die Entscheidungen trifft. Seit KI in immer mehr Ecken des Alltags auftaucht, höre ich oft, dass die Leute wenigstens einen Teil ihres Tages nach ihren eigenen Entscheidungen gestalten wollen. Gegen KI bin ich übrigens nicht, diese Welt habe ich ja selbst mit einem KI-Werkzeug gebaut. In BeMatrx erstellen wir aus deinem Verhalten kein Profil, um auszuwählen, was du siehst. Wie dein Tag verläuft, hängt von deinen eigenen Entscheidungen ab.
Auf einen Blick
| In einer lebendigen Welt | |
|---|---|
| Die Einheit | Ein Leben: eine Karriere, eine Stadt, eine Geschichte |
| Was bestimmt, was du siehst | Du und die Menschen, denen du folgst, das Neueste zuerst |
| Was zählt | Was du aufgebaut hast, während du da warst |
| Wenn du die App schließt | Deine Stadt bleibt, wo sie ist, und ist noch da, wenn du zurückkommst |
| Wen du triffst | Die Menschen einer Stadt, die ihr eigenes Leben lebt |
Warum ich sie eine lebendige Welt nenne
Wenn etwas Neues auftaucht, vergleichen die Leute es zuerst mit etwas, das sie kennen. Ride-Sharing war jahrelang „wie ein Taxi, aber …“, Streaming war „wie Fernsehen, aber …“. Irgendwann brauchte niemand mehr den Vergleich. Ich glaube, mit lebendigen Welten wird es genauso laufen, deshalb benutze ich den Begriff überall: in der App, in Interviews, auf dieser Seite. Bei „Social Media“ denken die Leute an einen Feed, und ein Feed steht hier nicht im Mittelpunkt. Eine lebendige Welt verlangt auch nicht, dass du deine anderen Apps aufgibst. Sie steht neben ihnen und erfüllt eine andere Aufgabe, zu einer anderen Stunde deines Tages.
Falls du wissen willst, wie jemand ohne Ausbildung in Softwareentwicklung das gebaut hat: Die Geschichte steht hier. Was hinter „kein Algorithmus“ im Einzelnen steckt, erkläre ich im nächsten Text.